Die Recherche von SRF Investigativ liefert ein haasträubendes Resultat. Für den Undercover-Einsatz verfasste die Journalistin einen absichtlich schlechten Lebenslauf. Sie führte Nebenjobs wie Snowboardlehrerin oder Kutscherin auf, welche zwar der Wahrheit entsprechen, aber kaum für eine Stelle in der Sicherheitsbranche qualifiziert sind.
90 Bewerbungen
Die Journalistin bewarb sich bei etwa 90 Sicherheitsfirmen aus verschiedenen Kantonen - auch in der Stadt Zürich.
Bewerbungsgespräche oder direkte Jobangebote gab es bei zehn Unternehmen. Bei einer der Firmen ging der Vorgang beispielhaft ab, indem ein Strafregisterauszug verlangt, nach Vorkenntnissen gefragt und auf die Ausbildungspflicht hingewiesen wurde. Dieser Vorgang schreibt der Gesamtarbeitsvertrag und das Zürcher Polizeigesetz vor.
Kaum Fragen
In den anderen neun Bewerbungsinterviews wurden nur wenige Fragen gestellt. Auch ein Strafregisterauszug wurde nicht verlangt. Bei einigen Firmen kam die Jobzusage direkt übers Telefon oder E-Mail, dies passierte ebenfalls in der Zürcher Asylunterkunft. Ohne die Frau einmal zu sehen, wurde sie direkt für einen Einsatz eingeplant.
Die Einführung in der alten Polizeikaserne, wie das Asylzentrum heisst, war kurz. Nach einem Rundgang durch das Gebäude wurde die Journalistin darauf sensibilisiert, einen allfälligen Feueralarm schnellstmöglich auszuschalten, weil ansonsten die Feuerwehr käme und das hohe Kosten verursachen würde.
Kontrolle von Asylbewerberinnen
Zu ihren Aufgaben gehörten die Kontrolle von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern, Schutz des Personals und die Verhinderung von Konflikten. Auf diese heikle Funktion wurde sie jedoch nicht wirklich geschult.
Auf die Frage, was sie tun solle, wenn es zu einem Konflikt kommen solle, antwortete der Mitarbeiter der Firma «B.i.g. Security und Services», dass es den schon nicht geben werde. Dass die «Polizeikaserne» wegen Unruhen in den Schlagzeilen war, erwähnte er nicht. Am Schluss des Rundgangs setzte sich ein Drogenabhängiger auf der neben dem Gebäude liegenden Wiese gerade eine Spritze. Der Angestellte riet lediglich, stichfeste Handschuhe mitzubringen.
Kein Einzelfall
Dies ist kein Einzelfall. Die rund 900 Sicherheitsfirmen der Schweiz sind in Bars, Clubs, im Strassenverkehr oder im Asylzentrum tätig. Gemäss der SRF-Recherche ist die Arbeit von einigen der Firmen aber fragwürdig. Neue Mitarbeiter werden selten durchleuchtet und richtig ausgebildet.
Auch andere Sicherheitsangestellte bestätigen die Eindrücke der Journalistin. Neben der fehlenden Ausbildung sei auch die Ausrüstung mangelhaft und müsse oftmals selbst erworben werden. Die Löhne seien dürftig und kratzen oftmals an der Grenze zum Mindestlohn.