Home Region Sport Magazin Schweiz/Ausland
Stadt Zürich
10.01.2026
11.01.2026 06:41 Uhr

Der Randstein-Streit

Randsteine des Typs «Zürich Bord» geraten in der Stadt Zürich in die Kritik. Gemäss bürgerlichen Politikern hätte es eine günstigere Lösung gegeben.
Randsteine des Typs «Zürich Bord» geraten in der Stadt Zürich in die Kritik. Gemäss bürgerlichen Politikern hätte es eine günstigere Lösung gegeben. Bild: KEYSTONE/CLAUDIO THOMA
Die Randsteine des Typs «Zürich Bord» werden Thema für die Politik: Die Bürgerlichen kritisieren die Stadt Zürich, dass diese selber einen Randstein entwerfen liess, statt auf ein Deutsches Standardprodukt zu setzen.

Am Anfang stand das Ziel, dass Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer in Zürich selbständig in einen Niederflurbus einsteigen können. Dies war früher nicht möglich, da die Busse nicht nah genug ans Trottoir fahren konnten. Trotz seitlichen Absenkens blieb ein unüberwindbarer Spalt zwischen Bus und Randstein.

«Kasseler Sonderbord»

Ein spezieller Randstein sollte dies ändern. Bereits im Jahr 2013 testete die Stadt an einigen Haltestellen das so genannte «Kasseler Sonderbord», einen höheren Randstein mit einer Zwischenstufe, der es den Bussen erlaubt, näher an die Haltestelle zu fahren. Dieses "Kasseler Sonderbord" stand bereits in Deutschland im Einsatz.

Von Design-Agentur entwickelt

Die Stadt Zürich entschied sich jedoch gegen das Standardprodukt aus Deutschland und liess bei einer Design-Agentur einen eigenen Randstein entwickeln, das «Zürich Bord» aus Granit.

Diesen Randstein gibt es inzwischen in 24 verschiedenen Ausführungen und er wurde bis 2023 auf insgesamt zwölf Kilometern VBZ-Haltekanten verbaut. Auch in anderen Orten ist das  «Zürich Bord» im Einsatz, etwa in Uster, Dübendorf, Basel-Stadt oder im Kanton Schwyz.

Zürcher Alleingang

FDP, SVP und Mitte der Stadt Zürich kritisieren die Eigenkreation jedoch und vermuten einmal mehr einen «Züri Finish». In einer schriftlichen Anfrage an den Stadtrat stellen sie eine ganze Reihe kritischer Fragen, etwa weshalb die Stadt nicht auf das erprobte «Kasseler Sonderbord» gesetzt habe sondern auf den Alleingang.

Sie vermissen bei der Entwicklung der Haltekante auch eine Abstimmung mit anderen Städten, Kantonen und Verkehrsunternehmen. Schliesslich seien ja alle vor dem gleichen Problem mit der Barrierefreiheit gestanden.

Granit «Made in China»...

Die Bürgerlichen vermuten bei der Zürcher Eigenentwicklung auch ökologische Nachteile. Sie wollen vom Stadtrat deshalb wissen, woher die verbauten Haltekanten stammen. Ihre Vermutung, die durch eine kurze Internetrecherche erhärtet wird: aus China.

... anstatt italienisches Produkt

Der Import schwerer Natursteinbauteile über solche Distanzen verursache jedoch hohe CO2-Emissionen, schreiben die Gemeinderäte. Dies stehe im Widerspruch zu den klimapolitischen Zielsetzungen der Stadt. Bereits in früheren Jahren geriet die Stadt Zürch in Kritik, weil sie aus Kostengründen Granit «Made in China» verbaute statt vollständig auf Produkte aus Norditalien zu setzen.

Der Zürcher Stadtrat wird in den kommenden Wochen zu den Randstein-Fragen Stellung beziehen.

Keystone-SDA
Demnächst