Ein 51-jähriger Neuseeländer, der einst in der Sekte «Children of God» aufwuchs, wurde am Freitag in Zürich wegen sexueller Nötigung und Ausnützung einer Notlage verurteilt. Der Mann hatte unter dem Deckmantel von Spiritualität und Musik über Jahre hinweg zwei Frauen manipuliert, kontrolliert und sexuell ausgebeutet.
Manipulation durch Musik
Der Beschuldigte wurde in der Sekte «Children of God» gross, in der sexuelle Freizügigkeit und Übergriffe zur Tagesordnung gehörten. Obwohl er die Gemeinschaft später verliess, behielt er zentrale manipulative Praktiken bei. Diese setzte er ab 2014 gezielt in seiner eigenen Band ein, in der er sich selbst als «spirituelles Oberhaupt» inszenierte.
Psychische Kontrolle
In der Band übernahm der Mann eine dominante Rolle. Laut Anklageschrift nötigte er weibliche Mitglieder zu sexuellen Handlungen. Wer sich wehrte, wurde in sogenannten «yelling sessions» bis zu fünf Stunden lang angeschrien.
Eine der betroffenen Frauen war selbst einst Sektenmitglied und emotional wie finanziell von ihm abhängig. Sie fügte sich jahrelang seiner Kontrolle – bis 2020. Eine zweite Frau wurde mit dem Versprechen einer Welttournee angelockt. Zwischen 2020 und 2022 bezeichnete der Mann Sex mit ihr als «religiösen Akt», um sich ihr zu nähern. Auch sie war wirtschaftlich und spirituell auf ihn angewiesen.
Abgekürztes Verfahren
Das Zürcher Bezirksgericht führte das Verfahren in abgekürzter Form durch, denn der Beschuldigte zeigte sich grundsätzlich geständig. Auf Antrag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurde ein Strafmass von 36 Monaten festgelegt.
Davon müsste der Verurteilte sechs Monate absitzen, da er aber von diesen sechs Monaten bereits vier verbüsste und ihm die Sperrung seiner Pässe angerechnet wurde muss er letzten Endes gar nicht zurück ins Gefängnis.
Er erhält jedoch einen 8-jährigen Landesverweis.